Emmanuel von Ketteler

(1811 - 1877):Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler

Ketteler, Wilhelm Emmanuel Frhr. von, geb. in Münster (Westf.) 25.12.1811, gestorben in Burghausen 13. 7. 1877, dt.kath. Bischof und Jurist; 1850 Bischof von Mainz; Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung 1848; einer der Begründer katholischer Sozialpolitik.

Leben und Bedeutung:

  • geb. 25.12.1811 in Münster

  • 1829 Abitur im Jesuiteninternat in Brig (Schweiz), anschließend Studium der Rechts- und Staatswissenschaft in Göttingen, Berlin, Heidelberg u. München

  • 1835 - 1838 Arbeit als Jurist

  • 26.05.1838: Entgültige Quittierung des Dienstes aufgrund des "Kölner Ereignisses"

  • 1841 - 1843 theologische Studien in München

  • 01.06.1844 Priesterweihe in Münster

  • während der Kaplanszeit in Beckum (Westfalen),anschließend Pfarrer in Hopsten

  • 1848 Wahl zum Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, wo er als Mitglied des kath. Kirche zum Vorkämpfer kath. Interessen, der kirchlichen Freiheit und der christlichen Schule wird

  • gewinnt große Aufmerksamkeit durch seine Rede für die Opfer des Frankfurter Septemberaufstandes, sein Auftreten beim 1. Mainzer Katholikentag und die 6 Mainzer Adventspredigten über die soziale Frage (1848)

  • 1849 Niederlegung des Mandats, anschließend Ernennung zum Propst an St. Hedwig in Berlin und gleichzeitig fürstbischöflicher Delegat von Brandenburg und Pommern

  • 20.05.1850 Ernennung zum Bischof von Mainz (wollte zunächst nicht)

  • 1851 Wiedereröffnung des Mainzer Priesterseminars, Schaffung vieler Einrichtungen (Krankenhäuser, Internate)

  • 1869/70 Teilnehmer des 1. Vatikanischen Konzils in Rom - Diskussion um Unfehlbarkeit des Papstes

  • 1871 Wahl in den Reichstag

  • 1872 Niederlegung des Mandats

  • gestorben am 13.07.1877 im Kapuzinerkloster Burghausen (Oberbayern) und spätere Beisetzung in der Marienkapelle des Mainzer Doms

Werke und Schriften Kettelers

  • zahlreiche Reden, Aufsätze, Hirtenbriefe, Predigten und Broschüren

  • Die großen sozialen Fragen der Gegenwart. Sechs Predigten gehalten im hohen Dom zu Mainz (1848)

  • Freiheit, Autorität und Kirche (1862) - War für Ketteler die große Frage seiner Gegenwart

  • Die Arbeiterfrage und das Christentum (1864) - staatliche Gesetze, Gewinnbeteiligung der Arbeiter schützen

  • Deutschland nach dem Kriege von 1866 (1866/67) - Ketteler wollte bestehendes Mißtrauen und Besorgnisse beseitigen

  • Das allgemeine Konzil und seine Bedeutung für unsere Zeit (1869)

Wirkungsgeschichte:

  • auf Kettelers Initiative wurde seit 1867 die Fuldaer Bischofskonferenz zur ständigen Einrichtung

  • Arbeiterschutzgesetz

  • Entfaltung des Siedlungswerks

  • Wiedereröffnung des Priesterseminars

  • Einführung von Bruderschaften und katholischen Vereinen

  • bedeutendster Initiator kath. Sozialpolitik

  • Wegbereiter des 2. Vatikanischen Konzils durch sein Eintreten für Religionsfreiheit und für das Miteinander von Primat (oberste Kirchengewalt) und Episkopat (Gesamtheit der Bischöfe)

  • Einwirkung auf das sozial-gesellschaftliche und politische Geschehen seiner Zeit

  • "Arbeiterbischof"

  • Beitrag zur Lösung der "sozialen Frage"

  • markanteste und populärste Gestalt des deutschen Katholizismus - Leben und Wirken auf das engste mit Reformbewegungen verknüpft

  • Ketteler ist der einzige Bischof des 19. Jahunderts, der priesterliche Volkstümlichkeit, auch im Sinne geschichtlicher Dauer gewonnen hat

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